Gedichte


"Gedicht"
??
Nun - eben mal anders !




Stell dir vor, die Weltraumtechnik hätte  hundert oder zweihundert Jahre  früher begonnen und du würdest deinen Urlaub auf dem Mond verbringen.

Die Erde wäre fußballgroß am Horizont zu sehen.
So groß, dass du sie in die Hände nehmen könntest.

Stell dir vor - ein  Raumschiff  brächte dich zum Mars
und du sähest die Erde als kleinen Stern am Himmel.
Stell dir vor, ein Raumschiff brächte dich in den Bereich des Alpha Centauri, unserem nächsten Fixstern.
Dann wäre nur noch unsere Sonne als Stern zu sehen und die Erde wäre unsichtbar.

Dieser Gedanke erschüttert mich!

Denn ich wüsste,
dass da irgendwo im Raum etwas Wichtiges geschieht
 geschah und geschehen wird.
Irgendwo im Raum ...
Ich kann ´s  nicht sehen, nicht hören -
aber vielleicht kann ich es spüren,
was da geschieht, da draußen...
Freude, Leid, Liebe, Hass, Kampf, Lebenskampf, Sehnsucht...
Wärest Du nicht von der Erde gekommen,
dann wüsstest du davon nichts und könntest nichts empfinden.
Oder doch?
Vielleicht weil überall im unendlichen Raum geliebt, gehasst, gekämpft, versöhnt wird?
Vielleicht!?

Vielleicht ist es gar nicht wichtig, woher du kommst
und wo du bist?
Vielleicht ist „Raum " nur ein Phänomen
 aus unserm Gehirn entsprungen,
damit all
DAS
erlebbar wird?
Gott?

Nein - jetzt gehe ich wohl zu weit und das ist auch ein ganz anderes Thema.
Obwohl - interessant und nachdenkenswert  ist es schon:
Raum und Zeit - das ewige Rätsel ...

Aber denken wir uns zurück - sagen wir - auf den Mond,
um die Erde zu sehen,
um sie in die Hände nehmen zu können.
Schön stelle ich sie mir vor - unsere Erde.
Schön!
Hell leuchtend, blau vielleicht,
vielleicht von durchsichtigen Wolken umgeben,
und darunter schimmernd nur
zeichnen sich die Kontinente vom blauen Ozean ab ....
Vielleicht!
Ich muss daran denken,
dass acht Milliarden Menschen auf dieser „fußballgroßen " Kugel leben.
Unsere Erde - sie lebt!
Weil sie viele Milliarden mal mit menschlichem Empfinden durchdrungen ist.
Sie ist verwundbar, wie alles Lebende,
beschützenswert und liebenswert.
Erst von hier aus spüre ich,
wie ich ihr zugetan bin,
wie ich sie brauche,
wie ich sie liebe,
wie sie mich braucht,
wie sie mich liebt.


Wir sind eins mit unserer Erde.
Ohne Leben wäre sie ein Felsbrocken im All,
wie viele andere - ein Nichts ...
Mit meiner Liebe zu unserer Erde
bin ich nahe an Gott.





Die Schöpfung


Aus einem Nichts,
welch´s immer schon vorhanden war,
gebar die Jenseitskraft ein Samenkorn,
ein göttliches erdachtes.
Daraus erblühte wunderbar
des Weltalls Vielgestalt -
der Sterne endlos große Schar,
ihr vorbestimmter Lauf
und Zeit und Raum und Licht
.

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Eine Welt in jedem Atom?

Planeten kreisen um die Sonne,
wie Elektronen um die Kerne von Atomen:
Wie Strukturen sich doch ähneln ...

Der Kosmos
milliardenfach mit Sonnen angefüllt,
die wiederum Galaxien bilden
deren es Milliarden gibt ...

Atome - milliardenfach in jedem Stück Materie,
Atome - die sich zu Molekülen binden,
diese sich milliardenfach zusammenfinden
zu einem Stein,
zu einem Blatt von einem Baum,
zu einem Ohr von einem Schwein,
zu einer ganzen Welt
und
insgesamt zu unsrem Sein ...

Ob wir vielleicht Bewohner sind von Elektronen,
auf kreisenden "Planeten" in Atomen
und so in jedem Stück Materie,
der Geist der in uns lebt
das ganze Sein vom kleinsten Stein
bis weit ins ferne All bewegt?

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Heimkehr

Du Gott,
Atem der Natur,
du ruhest still
über Wald und Flur.
Ein Wanderer bleibt
am Wegrande stehen,
um in der Ferne
dein Märchen zu sehen.

Dies´ Märchen ist in mir
und webt um mich her,
ist außen und innen,
will mich drängend gewinnen.

Langsam dann,
ein paar Schritte gehend,
lauschend..., sehend....,
durch duftende Wiesen
umfächelt vom Wind -
glaubend :
noch wie ein Kind -
erwacht um mich
ein ätherisches Meer,
meiner Seele zum ewigen Haus.
In ihm ist der Raum unendlich weit
und die Zeit
ein Traum in der Ewigkeit.

 

Ostergedanken

Geburt - Tod - Auferstehung

Ewige Kraft des Lebens!

Ewigkeit !

Ein Sein ohne Zeit und Raum

Verschlossen unserem Verstand

Offen unserem Glauben

GLÜCK FÜR ALLE,

DIE GLAUBEN KÖNNEN

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Träumer

Du nennst dich Träumer?
Oh du Tor!
Träumst von Wolken und Wind...
Träumst von vergangenen Zeiten...
Träum in die Zukunft,
in die Zukunft herrlicher Weiten!
Bedenk doch die Kraft,
die dein Traum entfacht!


Nun fasse den Tag, beginn mit der Tat!
Träume allein lassen Zukunft zerrinnen
.

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„Gedanken aus der Hängematte"

oder

"was ist, wenn nicht ist, was ist"

 

In dem was ist -
ist Leben potentiel enthalten.
Wenns nicht so wär,
könnt sichs aus dem was ist
doch nicht entfalten.
Doch weiß man nicht,
ob das, was ist, nur das ist,
was der Mensch erkennt.
Oder - ob das was ist,
nicht mehr ist - als dass,
was je der Mensch erkennen kann,
dem Mesch sich offenbart.
Und das, was ist,
ist Energie in tausendfacher Vielfalt-Form,
und unser Geist ist mitten drin,
kommt nicht von außen,
ist Ausdruck dieses Seins,
das Ewigkeit in sich verbirgt.

 Das Chaos und der Bettler

Wenn Gefühle und Gedanken wirrend
durcheinander schlagen,
als peitschte Sturm im Rosengarten,
dann wird es Zeit,
zurückgelehnt im Sessel,
Tür und Fenster fest verriegelt,
abzuwarten
bis der Sturm sich legt.

Doch das Fenster hielt dem Sturm nicht stand;
berstend drang das Chaos ein
und nahm mich in die Mitte.


Trübe war der Blick des Bettlers
ausdruckslos und leer,
als wäre seine Seele wie ein Stein.
Und nichts sprach: „Siehe, das bin
ICH!"

War das der Grund,
weshalb in diesen Augen meine Seele sich verfing?
War ich mit diesem Bettler so verwandt?
und ahnte eine Zeit voraus,
in der ich nicht mehr fragen möchte,
was die Nächsten dächten?
Bringt mich das Chaos bald zum Bettlerstand?

Vielleicht jedoch legt sich der Sturm,
die Rosen stehen wieder auf.
Der Bettler bettelt trotzdem weiter.
Mit mir ist dieser nicht verwandt! 







 Der Oberfläche matter Glanz

Ich möchte weinen, den ganzen Tag,
weil ihr verspottet und verklagt -
den Menschen,
der Euch unverständlich ist,
den Menschen,
der in Traurigkeit verzagt.

Ich möchte lachen, jauchzen, singen
angesichts der herrlich tiefen Welt;
möcht´ mich verneigen vor den Dingen,
die Gott uns in die Herzen stellt.

Ich möcht´ Euch zeigen immerfort
die Herrlichkeit - in jedem kahlen Ort,
im Finst´rem und im Licht,
im Toten und im Leben,
in Ewigkeit - im Augenblick...

Doch Ihr - ach könnt nur Dinge schauen,
könnt der Tiefe nicht vertrauen...
Hängt an der Oberfläche matten Glanz...



Ich will begreifen


Ich will begreifen die Ferne,
die nächtlichen Sterne,
des Waldes Grün,
der Blumen Blüh´n
und die Wolken, die vorüber zieh´n;
die Mittagsglut,
den eisigen Sturm,
der Menschen Mut,
den blinden Wurm...

Und Kinder, die schreien,
und Mütter, die Klagen,
Teufel, die entweihen,
was Menschen heimlich tragen,
und Kummer und Schmerzen,
Weihrauch und Kerzen
in den Kapellen
möcht´ ich begreifen...

An den Dingen reifen,
oder in Frage stellen.

Und wissen möcht´ ich
von der Welt,
wie sie entsteht
und wieder zerfällt,
und immer noch ist
wie immer sie war,
und wie die Zeit,
und auch der Raum
begrenzt und teilt
und
im Unendlichen verweilt
.

..................................................

 

Leidenschaft



Dichte! Singe!
Schrei hinaus, wenn es brennt in dir!
Und die Flamme - fach sie an,
freue dich am Schein.
Lösche nicht!
Dämm sie nicht ein!
Lebe deine Leidenschaft!

Geiz, Gezänk
und müdes Gähnen,
lange Weile,
stilles Schämen,
sei in Zukunft dir verhasst.

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  Das wahre Gesicht

Den Unerfahr´nen
blendet
oft der Glanz.
Doch,
um das Leben
zu erfassen ganz,
bedarf es
manch´ enttäuschter Stunde,
weil erst -
im tiefsten Hintergrunde
das wahr´ Gesicht
sich offenbart.

 

Medienmax


 


Medienmaxe

weiß nun ganz genau 
vom Fernsehen, Rundfunk und von den Journalen
um ´s am Stammtisch vorzutragen:
Krieg,
weiß er - wird ´s geben!
Alte gegen Junge,
Arme gegen Reiche,
Frauen gegen Männer,
Kinder gegen Eltern,
Gesunde gegen Kranke,
Private gegen die Versicherten ...

Armut, Siechtum, Zukunftsängste,
graues Deutschland - armes Land,
wohin bist du getrieben
schönes Vaterland?

Medienmax,
du tust mir leid,
arme Kreatur!
Schalt Fernsehen aus,
das Radio ab
verbrenne die Journale.
Schau selber in die Welt hinaus
und misch dich unters Volk,
dann fasst du neuen Mut
und merkst -
uns geht ´s doch
ehrlich gut.

Dir schon, sagst Du, den andren aber nicht!?
Ein andrer aber sagt, ihm ging ´s gut,
den andren aber nicht!

Nun, ich lass es offen
und
beende staunend das Gedicht! 


Dumpfköpfe

 

Sie sind mitten unter uns!
Die dumpfen Köpfe!

Sie wollen „national befreien", 
andre träumen

vom Paradies im Sozialismus.

Manche besprühen Haus und Wände 
mit Hieroglyphen und mit Fratzen
oder schreien ihre Dummheit
in Rap- und Technoklänge,
sogar in National - und
sozialistische Gesänge.


Globalisierungs-Gegner
gehen auf die Straße -
protestieren, kämpfen!
Ja - wofür, wogegen?
Gegen unsre Welt?

Eine Frau bekämpft
das Ampelmännchen.
Sie will ein Ampelfrauchen!
Das zwingt mich nun zum Lächeln -
doch -  vieles macht mir Angst!

Ich lausche dem Aufschrei
der Besonnenen.
Doch - ich hör ihn leider nicht !

  

Erinnerung

Plötzlich, brach´s aus

hellem Himmel,

unverhofft wie Blitz und Hagel

über mich an jenem Tag

da Du schied´st aus dieser Welt. 

Du,

der du meiner Seele warst verwandt,

gingst den Weg zur Ewigkeit,

zerschnitt´st das uns vereinend Band,

nahmst Abschied von der Erde.

Ließest uns zurück in Trauer und in Tränen.

Dich umgab stets froher Mut.

Du warst ein Licht in dieser Welt.

Ein Wissender!

Ein Hoffnungsbild war stets in Dir

 zu dem Du -Wissender- entschwebtest.

In Erinnerung an meinen Onkel,

den Maler

Walter Thomas

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Vor dem Einzug

Kalt umfangen dich
die fremden Straßen
und die Menschen,
die vergaßen,
einen Blick zu wenden,
um an dir -
ein Lächeln zu verschwenden . . .

Fremd ist dir
das ungewohnte Haus
mit dem Fenster,
welches unpersönlich schaut,
weil es dich,
den Fremden,
noch nicht kennt.

Du steigst empor
die grauen Stufen,
erregt noch und gehemmt,
bis zu der Tür,
der namenlosen,
weil hinter ihr
dein sehnsuchtsvolles Waren wohnt. 

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Geborgenheit


Rhododendronblüten schwängern die Luft,
berauschen der Liebenden Drang;
die Nacht in Stille umfängt der Duft
in tausendfach tönendem Klang.


Hoch überm Berg der Mondenschein
umhüllt den Himmel in silberner Pracht
mit blinkenden Sternen am hohen Zelt
zu geheimnisvoll ruhiger göttlicher Nacht.


Hier find´ ich Gott - Liebe - Natur,
das Licht im Dunkel der Einsamkeit,
im Rauschen der Bäume, in stiller Flur,
inmitten des Waldes Geborgenheit.


 

ALLES FLIESST

 

Alles fließt!
Ein schöner Spruch und schon so alt.
Wo fließt es hin, wo kommt es her?
Das ist bekannt!
Vom Berge fließt´s hinab zum Meer...
Von dort steigst wieder in die Wolken
vom Wind getrieben bis zum Berg
und fließt dann wieder ab.
So ist die Welt wohl aufgebaut?
Wer hat sich das erdacht?
Ein Gott?
Der hat es so gemacht?
Versperrt vielleicht des Kreislaufs Wiederkehr,
die Fähigkeit zu denken:

               Du bist der Andere              

Du bist der Nutzlose, der Letzte,
der unverständlich Andere,
weil das Leben dich nicht hetzte,
weil es ruhig wanderte.

Du bist der - ohne Ruhm und ohne Pracht,
der nicht des Reichtums wegen wacht
und ruhig, ganz nach eig´nen Sinnen,
das Leben will gewinnen.

Du bist der Autolose,
der - ohne Auslandsreisen,
du lebst allein
ein großes Schweigen.

Du weißt nicht,
was des Erzählens Wert sei,
dem Dummen nicht und nicht dem Weisen,
und trotzdem - du bist frei...

Doch - in Dir bist du gefangen,
fühlst inniges Verlangen,
dass du alles wie die and´ren weißt,
und trotzdem nur du selber seist.

Und manchmal glaubst du auch,
du seist ein Held,
der einsam sich zum Kampfe stellt,
dem Spießer und dem Laffen!
Und ringst um deine eigne Welt,
jedoch mit unbrauchbaren Waffen

 

Das Ziel

                                                                                                     
Ich sehe mein Leben
gleich einer Straße,
die endlos lang
im Dunst sich verliert;
und wandernd mühe ich mich dem Ziele hin...


.. . . . . . . . . . . . . . . . .


Endlos scheint der lange Weg,
der im Nebel untergeht;
und ich müh´ mich hin zum Ziel.
Ziehe Jahr um Jahr,
mal ermattet durch die Schwüle,
mal erstarrt vom Frost der Nacht,
mal über Berge, über Seen,
um einst am Ziel
der Ewigkeit zu stehen!

                                                   

Geiz

Ihr Menschen um mich,
euch
misstraue ich
und spotte
und schließe mich ab.

Alles ist mein!
Nichts
darf euch sein!
In eurer Nähe
bleib ich allein...

Doch für mich
will ich sorgen,
und bitten
um Reichtum
und Geld,
denn ich lebe
in der kalten Welt.

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                           Brief an den Geliebten

 

Mein Liebster... Mein Liebster...
Ach - was soll werden?!
Ganz allein bin ich
trotz der Menschen umher -
ganz allein - ohne Dich.
Und Du, Du bist weit,
wenn mein Herz in der Nacht
Deine Liebe sucht...

Was soll werden in all den Wochen?

Einmal, da träumte mir,
ein Mann, so groß und blond wie Du
ständ vor der Tür...

Geliebter, Du sollst mich halten!
Doch Dein Bett, das war leer.
Ich war allein mit dem Mond, dem kalten...
Oh komm! Geliebter -
denn ich liebe Dich sehr.

Den Mann meines Traumes,
den kannte ich nicht,
und trotzdem -
er trug Dein Gesicht.
Und seine Hände, die waren so warm...
Oh komm: Geliebter!
Mir wird so bang...

   

Einsamkeit

Mancher, der Euch sucht
und nicht allein den Weg,
den and´re lachend gehen,
findet,
bleibt am Rand des Weges steh´n.

Ohne Hilfe,
die vom And´ren er erhoffte
und Verstand, an den er glaubte,
wird er im Nicht-Sein untergehen. 

 

Und alle,
die ihn ließen
am Wegesrande steh´n,
verloren immerhin
an ihm
des Menschen Seiens-Sinn. 

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Fassadenparade



 

 

Fassadenparade . . .
Front in Grau -
leblos noch,
doch schnurgerade,
Fläche aus Beton . . .

Raupen schürfen nackte Erde,
und mit schweigender Gebärde
schwenken Krane ihren Arm,
setzen die Fassade
spielzeuggleich zusammen.

Wunderkräfte sind am Werk;
riesengleich befiehlt der Zwerg
tausend Tonnen zueinander,
bis sie Stück für Stück
zu der Fassade sind gefügt.

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Erwachsen

An einem kühlen Novembertag
streift´ ich durch Wälder und Wiesen.
Da wollten mich Tannen und Fichten begrüßen,
auch duftende Äcker und graugrünes Gras.

Ich aber war in Gedanken schwer,
hatte keinen Sinn für das Leben um her.
Da sprachen die Bäume und Gräser zu mir:
„Ach wär´st du geblieben, was du einst warst,
ach wär´st du geblieben ein Kind."

Auch zog über mir eine Wolke dahin,
ein weißgrauer Schleier im Wind;
sie zog gegen Ost,
sie zog geschwind,
sie grüßte mich nicht:
Ich war kein Kind!

Und als ich gar ein Herbstblümchen schaute,
sagte dies traurig zu mir:
„Wie blickst du so freudlos auf mich herab,
waren wir einst nicht Vertraute?"

Da sprach ich:
„Oh ja, du Blümelein,
damals umgab dich ein heller Schein.
Doch in vergangener Zeit
musste mein Herz so vieles erfahren.
DICH -
kann es nun nicht mehr lieben!"
Das Blümlein sagte traurig geknickt:
„Ach wär´st du
ein Kind doch geblieben."


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Eingeschlossen

Lern und streb im abgegrenzten Rahmen,
halt dich fest am alten Kreis,
den die Väter hinterließen,
auf dem eingefahr´nem Gleis.

Frage nicht nach dem „da draußen",
bleibe nur im Zentrum drin;
ruh´ in vorgesagten Phrasen;
fließ im Leben träge hin.

Sorglos,
glaubst du,
geht das so fort,
bis ans Ende aller Tage.
Erwachend aber trägst du schwer -
staunend an der alten Frage
nach des Lebens letztem Sinn.

Doch eingeschlossen blieb dein Glück,
gabst es selbst dem Kerker hin;
sahst die Welt als Spiegelstück
und das GANZE ohne Sinn.

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Der Wanderer

In den schweren dunklen Stunden
deiner sanften Einsamkeit
gebierst du dich und du wirst DU,
und all dein Wesen stellt sich vor.
Erschaust der Tiefen tiefste Tiefe
und der Oberfläche Glanz,
des Spiegelbildes spielend Spiel
und ahnst in dir das eigne Ziel...
Doch Kreise ziehend gehst du weiter,
schaust Täler, Hügel, Berge.
Riesen lässt du hinter dir,
bist Gast der kleinsten Zwerge.
Und Zwerge scheinen Riesen gleich;
Riesen gleichen Zwergen,
und Täler, die du tief erschaust,
sind gleich den höchsten Bergen.
Wenn du wanderst weit und weiter,
um mitternächtlich Geisterstund´,
um Mittags - Sonnenglut,
durch Steppe, Felsgestein und Auen,
bis neue Weiten sich erbreiten -
bis ein Ahnen dir gegeben
von des Lebens letztem Sinn,
wanderst du in deinen Kreisen,
gleich dem ewig alten Weisen,
zu dem eigenen Ziele hin.
Ewig suchen, ewig finden...
Zeitgefang´ner dir verkünden
alle Weisen dieser Erde -
Lebe Wand´rer!
Wand´re... Werde....
In des Kreislaufs letztem Sinn...

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Erinnerung an meine Mutter

Du lebtest nur für deine Lieben
und hattest Gutes nur im Sinn;
Dank ist dir oft versagt geblieben,
du nahmst es großen Herzens hin.

Güte - war dein inhaltsvolles Leben,
Nachsicht und Verstehen...
Könnten wir doch all das wiedergeben
und müssten nicht die eignen Wege gehen.

Doch des Schicksals eig`ner Lauf,
der festgefügt in jeder Seele wohnt,
führt uns manchen Berg hinauf,
auf dessen Spitze -
wir uns Rückschau haltend fragen,
ob wir noch die empfang`ne Güte,
die deines Lebens Inhalt war,
in uns`rem Herzen tragen...

Du gabst uns alles, was zu geben jemals war.
Du gabst uns Dich und mütterliche Liebe;
und das ist mehr, als manche sich erträumen,
die in ihrem eitlen Triebe des Lebens Sinn versäumen.


..................................................



Im Zeitwind

Rasen, rasen über asphaltierte Straßen,

 übers endlos lange Band . . .

 Motoren summen, Ohren lauschen,

 Augen starren,

 Bäume sausen

links und rechts wie eine Wand.

Rasen, rasen über asphaltierte Straßen,

dem Ziel entgegen.

Dies ist fern!

Wir Verweg´nen, wir sind Herr´n

auf den Straßen,

denn wir rasen ja so gern.

Uhren ticken zeitlos hin;

 Nerven spannen Stricken gleich,

und wir rasen ohne Sinn

zu einem Ziel, das wir vergaßen!  

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Die Stunden


Grauverhangen fasst mich fordernd,
träge noch, der junge Tag;
zieht mich zwingend in die Stunden,
die wie aufgereiht an Ketten,
unterschiedlich wichtig tuend,
auf Erfüllung warten.


Manche dieser eitlen Stunden
sind des Übels voll und inn´rer Not.
Andere,
die wie seichtes Wasser lauwarm trödeln,
quälen sich im Überdruss.
Doch die -
mit Lebensüberschuss und Freude
gleichen in dem Lebenszeit - Gebäude
stützenden Skeletten.

Alle jedoch sind gezwungen
durch und durch gelebt zu werden.
Ist nur eine nicht gelungen,
geht es ihr wie armen Seelen,
die nach unerfülltem Leben
ruh´los über Gräbern schweben.

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Ohne Träume werden keine Menschen!

- Ferienzeit - 

Den Wolken nachschauen,

unterm Blau des Himmels liegen,

Träume träumen, Pläne bauen,

nach dem Sinn des Lebens fragen...

Hoffen?

Wissend tiefer schauen!

in das Wesen aller Zeit:

Ob wir erstarrt sind in den Dingen

oder wandelbar den Wolken gleich?

***

Der kleine Klaus im zwanzigsten Jahrhundert


„Wo ziehen die hin?
die Blumengeschmückten...",
fragte der kleine Klaus.

„Die ziehen ins Feld,
die ziehen hinaus,
die ziehen in den Krieg.
Sie kämpfen für dich
und für den Sieg...
Sie kämpfen für irgend ein Vaterland."

„Was ist das:
Der Krieg
Das Feld
Der Sieg?
Was ist das:
Das Vaterland?"

„Krieg ist,
wenn Menschen einander die Köpfe abschlagen!
und Vaterland,
wenn Mächtige in sattem Behagen
kopflose Leiber mit Orden behängen."

Der kleine Klaus verstand aber nicht.
Er sah nur geschmückte Soldaten.
Die zogen hinaus im Morgenlicht,
mit blitzenden Helmen, Gewehren und Spaten.

Sie zogen gar lustig mit Gesang
und fröhlich schmetterten Trompeten.
Die Helden - die waren geisteskrank,
der Rest - das waren Proleten.

Auf den Tribünen - da lachten verbissen
goldbetresste Generale;
die hatten den den Klaus und die Helden beschissen
und zeigten nur glitzernde Schale.

Die Helden - die waren so dumm wie Klaus,
die zogen betrogen ins Feld hinaus.
Die Generale mit goldenen Tressen,
sammelten sich zum großen Fressen.

Sie fraßen die tapfernen Helden!

Die schönsten Orden spuckten sie aus,
grinsend in dunkle Ecken.
Dort blieben sie liegen, für unseren Klaus,
den künftigen tapferen Recken.

Erinnerung

Plötzlich,
brach´s aus hellem Himmel,
unverhofft wie Blitz und Hagel
über mich
an jenem Tag
da Du schied´st aus dieser Welt.

Du,
der du meiner Seele warst verwandt,
gingst den Weg zur Ewigkeit,
zerschnitt´st das uns vereinend Band,
nahmst Abschied von der Erde.
Ließest uns zurück
in Trauer und in Tränen.

Dich umgab stets froher Mut.
Du warst ein Licht in dieser Welt.
Ein Wissender!
Ein Hoffnungsbild war stets in Dir
zu dem Du -Wissender- entschwebtest.

In Erinnerung an meinen Onkel,
den Maler: Walter Thoma

Ich will begreifen  

Ich will begreifen die Ferne,
die nächtlichen Sterne,
des Waldes Grün,
der Blumen Blüh´n
und die Wolken, die vorüber zieh´n;
die Mittagsglut,
den eisigen Sturm,
der Menschen Mut,
den blinden Wurm...

und Kinder, die schreien,
und Mütter, die Klagen,
Teufel, die entweihen,
was Menschen heimlich tragen,
und Kummer und Schmerzen,
Weihrauch und Kerzen
in den Kapellen
möcht´ ich begreifen...

An den Dingen reifen,
oder in Frage stellen.

Und wissen möcht´ ich
von der Welt,
wie sie entsteht
und wieder zerfällt,
und immer noch ist
wie immer sie war,
und wie die Zeit,
und auch der Raum
begrenzt und teilt
und
im Unendlichen verweilt.

LIEBE

Liebe -
hell leuchtendes Licht,
strahlende Sonne,
gleichend den Träumen der Sehnsucht...

Liebe -
duftender Jasmin,
dampfende Herbe der Felder,
buntes Frühlingsblühen,
Verklärung goldener Wälder...

Liebe -
eisiger Wind vom Norden,
erstarrend Seele und Herz;
Sturm entfesselter Horden,
schreiend nach Leben,
tötend im Schmerz.

Liebe -
du singende Schöne,
zeugende Lebenskraft;
umschlingendes  Band unserer Welt.

                                                                                                                                   

Spiel der Mücken

Mücken spielen, tanzen, spinnen

 spindelnd in die Höh´,

in der Abendluft der kühlen,

überm Bache, überm See.

In ihrem Spiele ohne Laute,

diesem schweigenden Gewebe,

singt des Lebens Harmonie.

Und sie weben fleißig, heiter

einen unsichtbaren Schleier

scheinbar ohne jeden Sinn.

Doch im lebenslust´gem Treiben

fahren sie gewinnend hin:

Spinnen nach Naturgesetzen,

diesem letzten Lebenssinn.

                         

                                                            Aus der Gnade des Herrn

Der weiten Wiesen tiefes Grün

Der Äcker duftende Herbe

Des Waldes Rauschen

Der Vöglein Stimmen...

Lied der Schöpfung schönstes Singen

Frühfeuchter Tau

Benetzender Glanz

Bunt schillerndes Licht

Im tropfenden Tanz...

Unendlich weiter leuchtender Stern...

Wunder - Natur

Aus der Gnade des Herrn



Vor dem Einzug


Kalt umfangen dich
die fremden Straßen
und die Menschen,
die vergaßen,
einen Blick zu wenden,
um an dir -
ein Lächeln zu verschwenden . . .

Fremd ist dir
das ungewohnte Haus
mit dem Fenster,
welches unpersönlich schaut,
weil es dich,
den Fremden,
noch nicht kennt.

Du steigst empor
die grauen Stufen,
erregt noch und gehemmt,
bis zu der Tür,
der namenlosen,
weil hinter ihr
dein sehnsuchtsvolles Waren wohnt. 

 

Kreislauf

Alles fließt!
Ein schöner Spruch und schon so alt.
Wo fließt es hin, wo kommt es her?
Das ist bekannt!
Vom Berge fließt´s hinab zum Meer...
Von dort steigst wieder in die Wolken
vom Wind getrieben bis zum Berg
und fließt dann wieder ab.
So ist die Welt wohl aufgebaut?
Wer hat sich das erdacht?
Ein Gott?
Der hat es so gemacht?
Versperrt vielleicht des Kreislaufs Wiederkehr,
die Fähigkeit zu denken:
wo her wir kommen
wo wir enden?

                                                               

Den Wolken gleich...



Wenn in Winters starrer Nacht
flüchtige Gespinste
manch gold´nen Stern umhängen,
und in Sommer- Glut
gelbgrau Gewitterdünste
vom Horizont her drängen,
und im Herbstwind streifige Geflichte
zerfetzt am Himmel ziehen,
und du erfasst dies´ Wachsen und Vergehen
und fühlst vielleicht,
dass wir den Wolken gleich
im Wandel nur bestehen,
und in veränderlichem Streben
aus finst´rer Nacht
zum Lichte uns erheben,
dann dringst du ein
in´s Werden der Natur,
in deren unverborg´nen Sinn,
und erneut auf höchsten Bahnen,
wanderst du zum Ziele hin.

Heimkehr


Du Gott,
Atem der Natur,
du ruhest still
über Wald und Flur.
Ein Wanderer bleibt
am Wegrande stehen,
um in der Ferne
dein Märchen zu sehen.

Dies´ Märchen ist in mir
und webt um mich her,
ist außen und innen,
will mich drängend gewinnen.

Langsam dann,
ein paar Schritte gehend,
lauschend..., sehend....,
durch duftende Wiesen
umfächelt vom Wind -
glaubend :
noch wie ein Kind -
erwacht um mich
ein ätherisches Meer,
meiner Seele zum ewigen Haus.
In ihm ist der Raum unendlich weit
und die Zeit
ein Traum in der Ewigkeit.

                                            Der Bote

...veröffentlicht in:

"NATIONALBIBLIOTHEK
DES DEUTSCHSPRACHIGEN
GEDICHTES - AUSGEWÄHLTE
WERKE IV

Er war ein Botengänger,
schon altersschwach und krank.
Zu nichts war er mehr nutze,
als zu dem Botengang.

Den zwang er unter Mühen,
den Rücken leicht gekrümmt,
gebeugt schon in den Knien -
ein armer Sonderling.

Sein Leben war fast ohne Sinn;
die Zeit verging ihm wie ein Traum.
Die Tage nahm er einfach hin,
und sprechen hörte man ihn kaum.

Er schenkte oft ein Lächeln,
doch erntete nie Dank.
Wollt´ gern dem Nächsten nützen -
sei´s durch den Botengang.

Der Alte war kein Weiser,
von Kindern doch umringt -
ein Spott dem glatten Bürger...
Ein armer Sonderling?

...


Das Chaos und der Bettler



Wenn Gefühle und Gedanken wirrend durcheinander schlagen,
als peitschte Sturm im Rosengarten,
dann wird es Zeit,
zurückgelehnt im Sessel,
Tür und Fenster fest verriegelt,
abzuwarten
bis der Sturm sich legt.

Doch das Fenster hielt dem Sturm nicht stand;
berstend drang das Chaos ein
und nahm mich in die Mitte.


Trübe war der Blick des Bettlers
ausdruckslos und leer,
als wäre seine Seele wie ein Stein.
Und nichts sprach: „Siehe, das bin ICH!"

War das der Grund,
weshalb in diesen Augen meine Seele sich verfing?
War ich mit diesem Bettler so verwandt?
und ahnte eine Zeit voraus,
in der ich nicht mehr fragen möchte,
was die Nächsten dächten?
Bringt mich das Chaos bald zum Bettlerstand?

Vielleicht jedoch legt sich der Sturm,
die Rosen stehen wieder auf.
Der Bettler bettelt trotzdem weiter.
Mit mir ist dieser nicht verwandt!

Ich will begreifen


Ich will begreifen die Ferne,
die nächtlichen Sterne,
des Waldes Grün,
der Blumen Blüh´n
und die Wolken, die vorüber zieh´n;
die Mittagsglut,
den eisigen Sturm,
der Menschen Mut,
den blinden Wurm...

und Kinder, die schreien,
und Mütter, die Klagen,
Teufel, die entweihen,
was Menschen heimlich tragen,
und Kummer und Schmerzen,
Weihrauch und Kerzen
in den Kapellen
möcht´ ich begreifen...

An den Dingen reifen,
oder in Frage stellen.

Und wissen möcht´ ich
von der Welt,
wie sie entsteht
und wieder zerfällt,
und immer noch ist
wie immer sie war,
und wie die Zeit,
und auch der Raum
begrenzt und teilt
und
im Unendlichen verweilt. 

 

Regenlied


Endlos, endlos - tropfend Singen...
Nebelschwaden überbringen
Sehnsucht nach dem Licht.

Himmelsblau ist grau verhangen,
wie des Menschen tief Verlangen
nach dem lächelnden Gesicht

seiner traumerfüllten Liebe,
die er suchend wohl erfühlte,
die im Nebel sich verfing.

Regengüsse strömen nieder -
hüllen uns in Einsamkeit,
doch im Inn´ren klingen Lieder
kindlicher Geborgenheit.

  Leidenschaft




Dichte! Singe!
Schrei hinaus, wenn es brennt in dir!
Und die Flamme - fach sie an,
freue dich am Schein.
Lösche nicht!
Dämm sie nicht ein!
Lebe deine Leidenschaft!

Geiz, Gezänk
und müdes Gähnen,
lange Weile,
stilles Schämen,
sei in Zukunft dir verhasst. 

  

Eingeschlossen


Lern und streb im abgegrenzten Rahmen,
halt dich fest am alten Kreis,
den die Väter hinterließen,
auf dem eingefahr´nem Gleis.

Frage nicht nach dem „da draußen",
bleibe nur im Zentrum drin;
ruh´ in vorgesagten Phrasen;
fließ im Leben träge hin.

Sorglos,
glaubst du,
geht das so fort,
bis ans Ende aller Tage.
Erwachend aber trägst du schwer -
staunend an der alten Frage
nach des Lebens letztem Sinn.

Doch eingeschlossen blieb dein Glück,
gabst es selbst dem Kerker hin;
sahst die Welt als Spiegelstück
und das GANZE ohne Sinn.

Warnung



Wahnsinnsschrei der jüngsten Stunde:
Gleißend weißer Feuerschein,
Stille dann - eine Sekunde -
glaserstarrt ist alles Leben...

Mütter reichten ihre Brüste
lächelnd Neugeborenen;
Liebende umschlangen sich,
schwebten hin
in rhythmusgleichen Schwingen.
Lebensschwanger waren Lüfte,
tönend wie ein leises Singen;
warmer Odem der Verliebten;
treibend wie der Frühjahrssaft;
Odeur von tausend bunten Blüten,
tausendfache Lebenskraft...

Liebende umschlangen sich,
zeugten neues Leben...

Stille dann!
Inferno...
Sonnengleißen heißer Gase,
Augen schreien, Münder starren,
Körper drehen sich im Kreise.

Stille dann -
und Grauen...
Violett gefriert die Luft.
Eiskalt schweigt der Tod...
Der Planet ist eine Gruft!




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Das Chaos und der Bettler

Und meine Gedanken gehen hin zu dem vergangnen Knaben, 

der sehnsuchtsharrend Fernweh in sich trug,

die ganze Welt wollt er umarmen,

Nun sind die Jahre hin gegangen.

Der Mann ist nicht der Knabe!
Und doch ist das Verlangen nach Ewigkeit geblieben.
Ich beginne sie zu finden, denn es ist der Kanbe
trotz allem
immer wach geblieben.